Die Bildauswahl: Wie Sie zu den richtigen Bildern kommen

Die Auswahl ist der Teil, an dem gute Bilder verloren gehen. Der Grund ist eigenartig, aber gut belegbar: Menschen wählen selten die besten Bilder von sich, weil sie sich selbst mit einem geübten, kritischen Blick betrachten. Sie sehen nicht das Bild, sondern das, was ihnen an sich nicht gefällt.
Warum der eigene Blick nicht funktioniert, und was Abstand hilft
Sie kennen Ihr Gesicht überwiegend aus dem Spiegel, also seitenverkehrt. Ein Foto zeigt Sie so, wie andere Sie sehen, und das wirkt zunächst falsch. Dazu kommt, dass Sie jede Kleinigkeit an sich kennen und sofort finden.
Andere sehen das nicht. Sie sehen, ob Sie darauf vorkommen, ob der Ausdruck stimmt, ob das Bild funktioniert. Deshalb ist die zweite Meinung bei der Auswahl kein Luxus, sondern eine Korrektur eines systematischen Fehlers.
Schauen Sie sich die Bilder nicht sofort an, wenn die Auswahl kommt. Warten Sie einen Tag. Die erste Reaktion auf Bilder von sich selbst ist bei fast allen Menschen ablehnend, und sie verändert sich mit Abstand deutlich.
Und schauen Sie sie nicht zwischen Tür und Angel an, nicht auf einem kleinen Bildschirm, nicht nebenbei. Nehmen Sie sich Zeit, an einem großen Bildschirm, bei ruhigem Licht.
Vom Zweck her auswählen
Die nützlichste Frage bei der Auswahl ist nicht, welches Bild Ihnen am besten gefällt, sondern welches seine Aufgabe am besten erfüllt.
- Bewerbungsbild: Erkennt man Sie, wirken Sie zugewandt, passt es zur Branche.
- Bild für die Website: Funktioniert es im Format, funktioniert es neben den anderen.
- Familienbild an der Wand: Werden Sie es in Jahren noch gern ansehen.
- Produktbild: Zeigt es das Produkt richtig, stimmt die Farbe.
Diese Frage nimmt den Druck von der Selbstbeurteilung. Es geht nicht darum, ob Sie sich schön finden, sondern ob das Bild funktioniert.
Nicht zu viel auswählen, und den Fotografen fragen
Ein häufiger Fehler ist, zu viele Bilder zu behalten. Zwanzig ähnliche Bilder derselben Situation sind nicht besser als drei gute. Sie machen die Sammlung nur unübersichtlich, und Sie schauen sie nie an.
Wählen Sie streng. Von einer Serie ähnlicher Bilder das beste, nicht die drei besten. Fragen Sie sich bei jedem Bild, was es zeigt, was die anderen nicht zeigen. Wenn die Antwort nichts ist, kann es weg.
Bei einer Serie zählt außerdem der Zusammenhang. Bilder, die nebeneinander stehen sollen, müssen zueinander passen. Ein einzelnes starkes Bild, das aus der Reihe fällt, kann die Serie stören.
Fragen Sie, welche Bilder er wählen würde. Er hat den Vorteil des Abstands und die Erfahrung damit, welche Bilder in der Verwendung funktionieren. Und er weiß, welches Bild sich für die geplante Nutzung eignet, was Sie beim Anschauen nicht sehen.
Sie müssen seiner Empfehlung nicht folgen. Aber sie ist eine wertvolle zweite Perspektive, gerade bei Bildern von Ihnen selbst.
Wie die Auswahl technisch abläuft
Üblich ist, dass Sie eine Vorauswahl bekommen, meist in einer Galerie, oft mit einer Möglichkeit, Favoriten zu markieren. Die Bilder in dieser Vorauswahl sind in der Regel noch nicht fertig bearbeitet, sondern grob angepasst.
Das ist wichtig zu wissen, weil Sie sonst falsche Schlüsse ziehen. Ein Bild, das in der Vorauswahl etwas flau wirkt, kann nach der Bearbeitung genau richtig sein. Fragen Sie im Zweifel, wie das fertige Bild aussehen wird.
Klären Sie auch, wie viele Bearbeitungen enthalten sind. Meist ist eine bestimmte Anzahl im Preis, weitere kosten zusätzlich. Das ist üblich und sollte im Angebot stehen.
Wenn nichts gefällt
Das kommt vor, und es ist unangenehm für beide Seiten. Sprechen Sie es an, ruhig und konkret. Vage Unzufriedenheit hilft niemandem. Sagen Sie, was genau nicht stimmt: der Ausdruck, das Licht, der Ausschnitt, die Bearbeitung.
Manches lässt sich beheben: eine andere Bearbeitung, ein anderer Ausschnitt, ein anderes Bild aus dem Material. Manches nicht, weil es an der Situation lag. Ein guter Fotograf sucht dann eine Lösung, im Zweifel einen zweiten Termin. Wie damit umzugehen ist, sollte im Vorfeld vereinbart sein.
Fazit
Warten Sie einen Tag, bevor Sie schauen. Wählen Sie vom Zweck her, nicht vom Gefallen. Seien Sie streng und behalten Sie nicht zu viel. Holen Sie eine zweite Meinung, denn Ihr Blick auf sich selbst ist der unzuverlässigste. Und fragen Sie den Fotografen, was er wählen würde.