Familienfotos: Wie aus einem Termin entspannte Bilder werden

Familienbilder werden gut, wenn niemand posieren muss. Das klingt einfach und ist der schwierigste Teil, weil die Erwartung an ein Familienbild meist genau das Gegenteil ist: alle gleichzeitig, alle schauen, alle lächeln. Diese Bilder gibt es, aber sie sind selten die, die man später gern ansieht.
Die Erwartung anpassen
Das eine Bild, auf dem alle gleichzeitig in die Kamera schauen und freundlich aussehen, ist ein Kunstprodukt. Bei kleinen Kindern ist es ein Glücksfall. Der Weg dorthin führt über wiederholte Aufforderungen, und der Preis sind Kinder, die keine Lust mehr haben, und Erwachsene, die angespannt sind.
Die schöneren Bilder entstehen meist daneben. Beim Spielen, beim Tragen, beim Lachen über etwas, das nichts mit der Kamera zu tun hat. Ein erfahrener Fotograf arbeitet darauf hin und holt das eine geordnete Bild nebenbei, wenn der Moment günstig ist, statt den Termin darauf aufzubauen.
Der Ort
Ein vertrauter Ort hilft enorm, gerade bei kleinen Kindern. Zu Hause kennen sie alles, sie haben ihre Dinge, sie müssen sich nicht orientieren. Ein Studio ist eine fremde Umgebung, in der ein Kind erst einmal beschäftigt ist, sie zu verstehen.
Draußen funktioniert ebenfalls gut, wenn es ein Ort ist, an dem die Familie ohnehin ist. Ein Spielplatz, ein Weg, den Sie oft gehen, ein Garten. Dort gibt es etwas zu tun, und Kinder, die etwas tun, sind entspannt.
- Zu Hause: vertraut, eigenes Licht, eigene Dinge. Aufräumen ist weniger wichtig, als man denkt.
- Draußen an vertrautem Ort: Bewegung, Beschäftigung, natürliche Situationen.
- Studio: kontrollierbares Licht, aber fremd. Eher geeignet für ältere Kinder.
Was Sie den Kindern sagen, und wann der Termin liegt
Am besten wenig. Die Ansage, dass gleich ein Fotograf kommt und dass man sich benehmen und schön lächeln soll, erzeugt genau die Anspannung, die man nicht will. Kinder spüren, wenn etwas von ihnen erwartet wird, und reagieren darauf mit Verweigerung oder mit einem aufgesetzten Gesicht.
Besser ist die beiläufige Variante: Es kommt jemand zu Besuch, der Bilder macht, und ihr könnt machen, was ihr wollt. Kinder, die spielen dürfen, vergessen die Kamera nach kurzer Zeit. Kinder, die stillsitzen sollen, tun das nie.
Legen Sie den Termin in die beste Tageszeit Ihrer Kinder, nicht in die praktischste für Sie. Ein müdes oder hungriges Kind macht keine guten Bilder, und keine Erfahrung der Welt gleicht das aus.
Halten Sie den Termin kurz. Die Aufmerksamkeit kleiner Kinder ist begrenzt, und danach wird es nicht besser, sondern nur anstrengender. Lieber ein kurzer, guter Termin als ein langer, an dessen Ende alle erschöpft sind.
Und planen Sie danach nichts. Wer im Kopf schon beim nächsten Termin ist, ist nicht im Bild.
Die Rolle der Eltern
Der wirksamste Beitrag der Eltern ist, entspannt zu sein. Kinder spiegeln, und wenn Eltern angespannt sind, weil das Bild gelingen soll, überträgt sich das sofort.
Vermeiden Sie es, die Kinder während des Termins zu ermahnen. Das erzeugt die Gesichter, die niemand haben will. Überlassen Sie die Führung dem Fotografen, dafür ist er da. Und wenn ein Kind nicht will, dann will es nicht. Meist kommt es von selbst zurück, wenn niemand darauf besteht.
Seien Sie außerdem selbst auf den Bildern. Es gibt erstaunlich viele Familien, in denen ein Elternteil auf keinem einzigen Bild vorkommt, weil immer diese Person fotografiert hat. Genau das ist ein guter Grund für den Termin.
Kleidung
Halten Sie es einfach. Ruhige Farben, die zueinander passen, ohne dass alle dasselbe tragen. Vermeiden Sie große Aufdrucke und sehr auffällige Muster, weil sie den Blick von den Gesichtern ziehen.
Wichtiger als Abstimmung ist Bequemlichkeit, besonders bei Kindern. Etwas, das kratzt oder kneift, sieht man im Bild an der Haltung und am Gesicht. Und lassen Sie Kinder mitentscheiden, was sie tragen. Ein Kind im Lieblingspullover ist ein entspanntes Kind.
Fazit
Planen Sie kurz, zur besten Tageszeit, an einem vertrauten Ort. Sagen Sie den Kindern möglichst wenig und erwarten Sie nicht das eine perfekte Bild, auf dem alle schauen. Bleiben Sie selbst entspannt, ermahnen Sie nicht, und lassen Sie sich mitfotografieren. Die Bilder, die bleiben, sind fast immer die, die nebenbei entstanden sind.